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Wann wurde das erste Mal Whisky gebrannt?

Die Herstellung alkoholischer Getränke ist schon seit dem Altertum bekannt. Bierbrauen war vermutlich schon 5000 v.Chr. bekannt, doch erst ca. 800 v.Chr. wird erstmals die Destillation zur Herstellung von Arrak (Palmweindestillat) erwähnt. Es dauerte mehrere hundert Jahre bis wiederum von Destillation die Rede ist, ca. 432 n.Chr. St. Patrick, der Schutzpatron Irlands, wird mit der Destillation in Verbindung gebracht. Als Mönch hatte er wahrscheinlich auf seinen Reisen Kontakt zur Kunst der Destillation erhalten und diese dann nach Europa mitgebracht. Wie der Weg genau war, ob über Frankreich nach Schottland und dann nach Irland oder über Irland nach Schottland lässt sich heute nicht mehr nachweisen.

 

Abbildung 1: Aus "Das Buch der waren Kunst zu destillieren" 1512

 

Es dauerte wiederum fast 1000 Jahre bis zur ersten Erwähnung vom Wasser des Lebens: 1494 wird in der Exchequer Roll (Steuertabelle) ein Eintrag vermerkt, der einem Mönchsbruder John Cor erlaubt, 8 bushel Gerste zur Herstellung von aqua vitae, dem Wasser des Lebens, für den König herzustellen. Dies ist der Anfang der beispiellosen Geschichte des Whisk(e)ys, die ihren Siegeszug um die Welt unternahm.

ca. 800 v.Chr.      Arrak Destillation im vorderen Orient

1494                     Erste schriftliche Erwähnung von Whisky

Wann wurde Whisky das erste Mal besteuert?

1644 Steuern auf „uisge beatha“

1776      Glenturret Distillery, Schottland (bezeichnet sich selbst als älteste noch aktive Destillerie Schottlands)

1823      Erstes wirksames Gesetz zur Besteuerung (Folge: größere und professionellere Destillerien, weniger Schwarzbrennerei)

Abbildung 2: Steuergesetz

 

1823 setzte Georg IV zum ersten Mal erfolgreich ein Gesetz zur Besteuerung von Whisky durch (siehe Abbildung) und anschließend wurden die ersten dauerhaften Lizenzen für Destillerien vergeben. Der legale Betrieb war die grundlegende Voraussetzung für den kommenden Erfolg von Scotch Whisky.

Dieses Gesetz ist verantwortlich für den Übergang vom Schwarzbrennen zum legalen Betrieb größerer Destillerien, auch wenn ersteres damit noch lange nicht aus der Welt geschafft war.

Auch wenn oft 1494 als wichtiges Datum in der Geschichte des schottischen Whiskies genannt wird (erste schriftliche Erwähnung), so ist 1823 für die neuere Geschichte doch ungleich wichtiger.

 

Wann entstand Blended Whisky?

1830 – Erfindung Patent Still
(Folge: höhere Produktivität, größere Mengen, Blended Whisky wird anschließend möglich)

Das nächste wichtige Datum ist die Erfindung der „continuous still” durch Robert Stein, auch „patent still“ genannt. Seit Urzeiten war im so genannten Batch-Betrieb mit der Pot-Still gearbeitet worden, es wurde immer ein Ladung Getreide nach der anderen gebrannt.

Jetzt war ein kontinuierlicher Betrieb möglich, das bedeutete eine beträchtliche Produktionsausweitung. Dieser Whisky

hieß Grain Whisky und durch die Kombination von Malt und Grain Whisky entstand in den darauf folgenden Jahren Blended Whisky.

Malt Whisky + Grain Whisky = Blended Whisky

(siehe auch “Was ist Scotch Whisky“)

 

Um ihre Weine mit „frischem Blut“ zu versorgen, importierten europäische Winzer Reben aus Amerika. Dabei kam allerdings auch die Weinlaus Phylloxera Vastatrix  mit.

 

Abbildung 3: Schädling in den Weinstöcken

 

Während die amerikanischen Gewächse eine hohe Widerstandskraft aufwiesen, erlagen die europäischen bald diesem Schädling. Er wurde das erste Mal 1863 im Rhonetal entdeckt und hatte sich bis 1875 über alle Weinanbaugebiete Europas verbreitet. Auch wenn es vielleicht nicht heldenhaft klingt, aber der Blended Whisky verdankt seinen Durchbruch nicht zuletzt dieser Weinlaus, die auf Jahre die Weinlese und damit auch die Cognac- und Brandy-Produktion behinderte und zeitweise vollständig unterbrach. Auf der Suche nach einem „Ersatz“ kamen die Konsumenten weltweit schnell zum Blended Whisky.

1870/80er Phylloxera Vastatrix – Wein-/Cognac Produktion liegt danieder (Folge: Durchbruch von Blended Whisky auf dem Weltmarkt)

Wann wurde Whisky zur Nr. 1 unter den Spirituosen?

1945 und danach: Jahre des Wiederaufbaus

Während zweier Kriegsjahre war die Whiskyproduktion in Schottland komplett verboten (Getreide sollte für Nahrungsmittel verwendet werden und teilweise wurden die Destillerien zur Erzeugung kriegswichtiger Waren benötigt). Auch nach dem Ende des Krieges dauerte es lange, bevor eine nennenswerte Anzahl von Destillerien wieder normal produzierte.

60er Jahre: der Siegeszug des Malt Whisky beginnt und Scotch Whisky wird zur Spirituosen Nr. 1

In den sechziger Jahren wurde zum ersten Mal im großen Stil Malt Whisky weltweit vermarktet und seitdem ist er aus der Spirituosenszene nicht mehr wegzudenken. Auch Blended Whisky nimmt an Beliebtheit zu und so wird Scotch Whisky insgesamt weltweit zur Spirituosen Nr. 1 – in Griechenland wird mehr Whisky als Ouzo getrunken und in Frankreich mehr Whisky als Cognac.